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Waggis – Ursprung, Larve und Kostüm einer klassischen Basler Fasnachtsfigur

  • Autorenbild: Bastian Peter
    Bastian Peter
  • 9. Mai
  • 10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Mai

Übersichtstafel über den Waggis als klassische Basler Fasnachtsfigur.
Der Waggis - eine klassische Basler Fasnachtsfigur. Eine Übersichtstafel von Roman Peter.

Der Waggis: Die vielleicht populärste klassische Basler Fasnachtsfigur der modernen Zeit


Das letzte Mal haben wir über die klassische Basler Fasnachtsfigur, den Pierrot - und seine Geschichte, seine Ursprünge und seinen langen Weg an die Basler Fasnacht gesprochen. Heute kommen wir zum Waggis.


Wer zuerst mehr über die Entwicklung der Larven selbst erfahren möchte, findet alles unter "Die Geschichte der Basler Künstlerlarve". Wer zuerst wissen möchte, was eine Larve überhaupt ist und auch den Begriff nicht kennt, wird hier fündig: "Was ist eine Larve an der Basler Fasnacht?"


Historische Bilder und Fotos mit Waggis an der Basler Fasnacht


aus der Basler Fasnacht Sammlung vom Larven Atelier Charivari



Inhalt



Märtplatz-Clique in Waggis-Larven an der Basler Fasnacht 1965.
Märtplatz-Clique in ihren Stamm Waggis-Larven, an der Basler Fasnacht 1965. Aus der Sammlung vom Larven Atelier Charivari

Geschichte, Herkunft und Entwicklung des Waggis an der Basler Fasnacht



Es gibt Figuren der Basler Fasnacht, die man sofort erkennt. Der Ueli gehört dazu. Der Pierrot ebenso. Und natürlich der Waggis.

Kaum taucht irgendwo die riesige Nase auf, dazu die wilden Haare, die blaue Bluse, das rote Halstuch und die weissen Hosen, weiss man sofort: Das ist ein Waggis. Für viele Menschen ist er sogar die Fasnachtsfigur schlechthin – besonders dann, wenn vom Wagen aus Orangen, Dääfi und Mimosenblumen durch die Luft fliegen.


Waggis-Larve, aus dem Atelier Charivari. Dargestellt im Buch "Masques du monde", Revelard-Kostadinova, Jahr 2000


Gerade weil der Waggis so selbstverständlich wirkt, vergisst man leicht, wie viel Geschichte eigentlich in dieser Figur steckt. Denn der Waggis ist nicht einfach „ein lustiger Bauer mit grosser Nase“. Hinter ihm stehen Sprachgeschichte, Grenzraumkultur, Bauernkarikatur, Larvenkunst und mehrere historische Deutungen, die sich bis heute nicht vollständig auflösen lassen.


Wer nach dem Waggis Ursprung sucht, merkt deshalb schnell: Die Geschichte dieser Figur ist älter, komplizierter und spannender, als es viele kurze Fasnachtsbeschreibungen vermuten lassen.


Historische Waggis-Larven aus dem frühen 20. Jahrhundert
Historische Waggis-Larven aus dem frühen 20. Jahrhundert, aus der Basler Künstlerlarven Sammlung vom Larven Atelier Charivari


Der Waggis, einfach erklärt


Was ist ein Waggis?

Der Waggis ist eine klassische Figur der Basler Fasnacht. Typisch sind die grosse Nase, die wilden Haare, die blaue Bauernbluse, das rote Halstuch und das freche Auftreten. Besonders eng verbunden ist die Figur heute mit der Wagenfasnacht und dem Werfen von Orangen, Dääfi und Caramel.

Woher kommt der Name „Waggis“?

Die Herkunft des Wortes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Bereits im 19. Jahrhundert wurden verschiedene Erklärungen diskutiert. Manche leiteten den Namen vom lateinischen vagus ab, andere vom Wasgau beziehungsweise von elsässischen Herkunftsbezeichnungen.

Ist der Waggis ein Elsässerbauer?

Viele historische Quellen beschreiben den Waggis als karikierte Figur eines elsässischen Bauern. Wahrscheinlich verbindet die Figur jedoch ältere Bauern- und Grotesktraditionen mit dieser späteren Elsässer-Deutung.

Wie alt ist der Waggis?

Die Figur ist spätestens seit den 1870er Jahren klar belegt. Laut J. P. Lienhard stammt die früheste bekannte Darstellung aus dem Jahr 1874.

Ist die heutige Waggis-Larve ursprünglich?

Nicht ganz. Die heute bekannte Larve mit ihrer riesigen Nase entwickelte sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts zu ihrer heutigen Standardform.


Moderne Beispiele: Waggis an der Basler Fasnacht 2026, Fotos Bastian Peter



Der Waggis als Figur der Basler

Fasnacht


Wer einem Waggis begegnet, erkennt ihn nicht nur an der Larve. Die Figur funktioniert über ihre gesamte Erscheinung. Der Waggis ist laut, direkt, manchmal grob und oft bewusst überzeichnet. Gerade darin liegt sein fasnächtlicher Reiz.


In D’Basler Fasnacht von K. M. Sandreuter aus dem Jahr 1946, herausgegeben unter dem Patronat des Basler Fasnachts-Comités, wird der Waggis als Elsässerbauer beschrieben: mit Kartoffelspitznase, rotem Halstuch, blauer Bluse, weissen Hosen und Strohhut, häufig ergänzt durch Gemüse oder Zwiebeln.

Schon diese Beschreibung zeigt: Der Waggis war nie bloss eine Larve, nie bloss ein Kostüm.


Er ist eine vollständige Kostümfigur mit klarer Typisierung. Die Figur lebt von Übertreibung – von der grossen Nase ebenso wie vom bäurischen Auftreten und vom bewusst etwas groben Humor.


Heute verbindet man den Waggis oft unmittelbar mit dem Cortège und der Wagenfasnacht. Historisch reicht die Figur jedoch deutlich weiter zurück.


Schnägge-Jätter Wagenclique an der Basler Fasnacht 1957 auf dem Barfüsserplatz
Schnägge-Jätter Wagenclique an der Basler Fasnacht 1957 als Waggis auf dem Barfüsserplatz, Foto Adrian Stückelberger, aus der Sammlung vom Larven Atelier Charivari


Waggis Ursprung – woher der Name „Waggis“ kommt


Die Frage nach dem Waggis Ursprung führt zuerst nicht zur Figur, sondern zum Wort selbst. Und genau dort wird es kompliziert.

Bereits im 19. Jahrhundert war die Herkunft des Begriffs umstritten. Mehrere Erklärungen existierten nebeneinander, ohne dass sich eine endgültig durchsetzen konnte.


Gustav Adolf Seiler führt in Die Basler Mundart von 1879 den Begriff auf das lateinische vagus zurück – also auf Begriffe wie „umherziehend“, „vagierend“ oder im weiteren Sinn „Vagabund“. Später wurde diese Erklärung auch vom Schweizerischen Idiotikon übernommen.


Daneben existierte die sogenannte Wasgauer-Theorie. Nach dieser Deutung könnte „Waggis“ mit dem Wasgau beziehungsweise mit den Vogesen und deren Bewohnern zusammenhängen. Dass diese Erklärung im Basler Fasnachtsmilieu tatsächlich bekannt war, zeigt das E-n-ABC dur d’Basler Fasnacht des Basler Fasnachts-Comités von 1939, in dem „Waggis“ und „Wasgauer“ ausdrücklich nebeneinander erscheinen.


Besonders spannend ist jedoch, dass ältere sprachwissenschaftliche Quellen „Waggis“ nicht nur als spätere Fasnachtsfigur kennen. Der Begriff bezeichnete teilweise ganz allgemein einen groben, liederlichen oder ungehobelten Menschen.

Ein besonders wichtiger Beleg stammt von Eduard Hoffmann-Krayer aus dem Jahr 1902. Dort heisst es:


„Waggis ‚elsässischer Bauer‘ (Basel), ‚liederlicher Mensch‘ (Zeinigen).“

Schineblooser Waggis an der Basler Fasnacht 2013
Schineblooser Waggis, auf dem Wagen an der Basler Fasnacht 2013, aus Sammlung vom Larven Atelier Charivari


Gleichzeitig hält Hoffmann-Krayer ausdrücklich fest, dass man sich über die Herkunft des Wortes „noch nicht einig“ sei. Er verweist dabei auf Diskussionen in den Basler Nachrichten vom 7. November 1877 und in der Grenzpost vom 10. November 1877.

Damit wird etwas Entscheidendes sichtbar: Die Herkunft des Wortes „Waggis“ war bereits im 19. Jahrhundert Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Sicher ist bis heute nur, dass das Wort älter ist als die moderne Fasnachtsfigur.


Basel, Elsass und die Entstehung der Waggis-Figur



Von der Wortgeschichte muss man die Figurengeschichte unterscheiden. Dass ein Begriff existiert, bedeutet noch nicht, dass die fertige Fasnachtsfigur bereits vorhanden ist.


Für die Entwicklung des Waggis spielt das Verhältnis zwischen Basel und dem benachbarten Elsass eine zentrale Rolle. Über Jahrhunderte gehörten elsässische Bauern, Händler und Marktfahrer ganz selbstverständlich zum Basler Alltag.

Gerade solche Nachbarfiguren eignen sich in der Fasnacht besonders gut für Überzeichnung und Karikatur. Man erkennt den Typus sofort – und genau deshalb funktioniert er fasnächtlich.


In Basler Fasnacht von Rolf Back und André Groeneveld aus dem Jahr 1987 wird erwähnt, dass bäuerliche Verkleidungen und Figuren bereits seit dem 15. Jahrhundert Teil der Fasnacht gewesen seien. Damit ist noch nicht der heutige Waggis gemeint, wohl aber eine ältere Tradition bäuerlicher Typenfiguren.


Sürkrutt-Waggis, Basler Fasnacht 1957 am Barfüsserplatz
Sürkrütt-Waggis, Basler Fasnacht 1957 am Barfüsserplatz, Foto Adrian Stückelberger, aus der Sammlung vom Larven Atelier Charvari
Waggiswagen, Basler Fasnacht 1957 am Barfüsserplatz
Waggiswagen, Basler Fasnacht 1957 am Barfüsserplatz, Foto Adrian Stückelberger, aus der Sammlung vom Larven Atelier Charvari

Im selben Buch wird ausserdem beschrieben, dass sich nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 der Spott der Maskierten besonders gegen den Bauernstand des Nachbarlandes richtete. Genau in diesem Zusammenhang wird der Waggis als Karikatur des elsässischen Bauern greifbar.


Interessant ist dabei, dass die Figur bereits 1879 als „Schund“ kritisiert wurde. Offenbar war der Waggis damals bereits so sichtbar und populär, dass man sich über ihn ärgerte.

Der Waggis ist also keine späte Erfindung des 20. Jahrhunderts. Die Figur gehört spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert fest zum Basler Fasnachtsbild.



Die frühesten bekannten Darstellungen des Waggis


ist aber quellengebunden und nicht als endgültiger Nachweis zu verstehen.

Als frühesten bildlichen Nachweis nennt J. P. Lienhard eine Darstellung aus dem Jahr 1874. Diese soll sich im Stammbuch der ehemaligen Basler Gymnasiastenverbindung Paedagogia befinden.


Dieses Foto zählt als die älteste Abbildung eines Waggis an der Basler Fasnacht. 1874.
(Bisher) scheinbar älteste Abbildung eines Waggis. "Gärtli" -v. Eh.Gymnasiastenverbindung Paedagogia, Basel, 1874. Kolorierte Version aus "Vom Narr zum Ueli", Trachsler.

Die Formulierung bleibt bewusst vorsichtig:

„Die früheste bekannte Darstellung stammt laut J. P. Lienhard (und anderen) aus dem Jahr 1874.“

Das mag nach einer kleinen Nuance klingen, ist historisch aber sinnvoll. Denn gerade bei Fasnachtsfiguren tauchen immer wieder ältere Hinweise oder neue Bildquellen auf.

Fest steht jedoch: Spätestens in den 1870er Jahren war der Waggis bereits als klar erkennbare Figur vorhanden - oder zumindest als interpretierbare Figur. Die Deutung bleibt vorsichtig: Die Darstellung von 1874 gilt nach heutigem Stand als frühester bekannter Hinweis, ist aber quellengebunden und nicht als endgültiger Nachweis zu verstehen.


Waggis an der Basler Fasnacht 1979
Waggis an der Basler Fasnacht 1979, aus der Sammlung Atelier Charivari.

Waggis Larve im Museum der Kulturen in Basel
Waggis aus dem Larven Atelier Charivari im Museum der Kulturen in Basel.

Die Waggis-Larve


Von der Figur selbst muss man die Waggis-Larve unterscheiden. Die heutige Larve mit ihrer riesigen Nase, den roten Backen, den sichtbaren Zähnen und den wilden Haaren entstand nicht plötzlich, sondern entwickelte sich über längere Zeit.

Nach J. P. Lienhard lassen sich wichtige Entwicklungsschritte an Waggis-Larven aus den Jahren 1922, 1925 und 1937 beobachten.


Die heute bekannte Larve wirkt fast wie eine Verdichtung der ganzen Figur: laut, grotesk, überzeichnet und sofort erkennbar. Gerade die riesige Nase gehört zu jener langen europäischen Tradition grotesker Volks- und Fastnachtsfiguren, die man bereits in älteren Theater-, Narren- und Karikaturtraditionen findet.

Das bedeutet nicht, dass der Waggis direkt aus der Commedia dell’arte stammt. Aber die Figur gehört eindeutig in dieselbe grosse europäische Bildwelt grotesker Typenfiguren.


Baslerstab-Waggis-Larve, Katalog, 2018
Baslerstab-Waggis aus dem Katalog, 2018

Das moderne Kostüm des Waggis


Das heutige Erscheinungsbild des Waggis wirkt fast selbstverständlich – dabei entwickelte sich die Figur über lange Zeit zu einer erstaunlich stabilen Kostümform.

Die klassischen Elemente sind bis heute:


  • blaue Bluse

  • weisse Hosen

  • rotes Halstuch

  • Holzzoggeli

  • Strohhut oder Zipfelmütze

  • wilde Haare

  • Gemüse-Netze oder bäuerliche Requisiten



Auffällig ist, wie stark das gesamte Kostüm auf Landwirtschaft, Marktleben und Warenverkehr verweist. Der Waggis ist nicht bloss ein abstrakter Narr, sondern eine bewusst bäuerlich gezeichnete Markt- und Wagenfigur.

Gerade deshalb passt auch die moderne Wagenfasnacht so gut zur Figur.

Von den Wagen aus werfen die Waggis heute traditionell Orangen, Dääfi, Bonbons und Caramel ins Publikum. Der genaue Ursprung dieses Brauchs lässt sich in den bisher geprüften Quellen zwar nicht eindeutig nachweisen. Historisch plausibel erscheint jedoch, dass sich hier ältere Markt- und Bauernattribute der Figur weiterentwickelt haben.


Ein paar historische Waggis-Larven: Basler Künstlerlarven, Atelier Charivari

Bereits K. M. Sandreuter beschreibt den Waggis 1946 zusammen mit Gemüse und Zwiebeln. Moderne Berichte erwähnen neben Orangen auch Kartoffeln, Rüebli oder andere Waren. Es liegt deshalb nahe, dass die heutigen Orangen und Dääfi eine moderne Fortsetzung dieser älteren Markt- und Gabensymbolik darstellen.

Der Waggis wirft also nicht einfach zufällig Dinge ins Publikum. Das Auswerfen gehört inzwischen zur Figur selbst.


Der Waggis im heutigen Fasnachtsgeschehen



Heute gehört der Waggis zu den beliebtesten Figuren der Basler Fasnacht. Gerade Kinder verbinden die Fasnacht oft zuerst mit dem Waggis und der Wagenfasnacht.

Kaum fährt ein Wagen vorbei, hört man die bekannten Rufe:

„Waggis! Waggis!“

Und oft folgt kurz darauf tatsächlich eine Orange oder eine Handvoll Dääfi.

Der Waggis ist damit keine museale Figur, die nur noch in alten Büchern vorkommt. Er ist bis heute eine lebendige, laute und sehr direkte Form der Basler Fasnacht.

Vielleicht ist genau das ein Teil seines Erfolgs: Der Waggis funktioniert sofort. Man muss seine ganze Geschichte nicht kennen, um ihn zu verstehen. Und trotzdem steckt hinter der Figur weit mehr historische Tiefe, als die riesige Nase zuerst vermuten lässt.


Waggis Tambour an der Basler Fasnacht, 1957
Waggis Tambour an der Basler Fasnacht, 1957. Foto Adrian Stückelberger, aus der Sammlung vom Larven Atelier Charivari

Der Waggis, kurz und bündig


Der Waggis gehört zu den bekanntesten Figuren der Basler Fasnacht. Seine Ursprünge reichen mindestens bis ins 19. Jahrhundert zurück, wahrscheinlich teilweise noch weiter.

Der Ursprung des Namens bleibt bis heute umstritten. Die Figur selbst wurde besonders als Karikatur des elsässischen Bauern populär, während sich die heute bekannte Waggis-Larve erst im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte.

Gerade diese Mischung aus Sprachgeschichte, Bauernfigur, Groteskfigur, Wagenfasnacht und Basler Larvenkunst macht den Waggis zu einer der spannendsten klassischen Basler Fasnachtsfiguren überhaupt.


Kinder-Waggis Larve an Basler Fasnacht 2026
Waggis an der Basler Fasnacht, 2026, Foto & Larve Bastian Peter, Atelier Charivari


FAQ – Häufige Fragen zum Waggis


Was bedeutet Waggis auf Deutsch?

Historisch wurde „Waggis“ unter anderem als Bezeichnung für einen groben, liederlichen oder ungehobelten Menschen verwendet.

Woher kommt der Waggis?

Die heutige Figur entstand an der Basler Fasnacht, wahrscheinlich aus einer Verbindung älterer Bauern- und Groteskfiguren mit der späteren Karikatur des elsässischen Bauern.

Warum hat der Waggis eine grosse Nase?

Die riesige Nase gehört zur grotesken Überzeichnung der Figur. Die heutige Waggis-Larve entwickelte sich vor allem im 20. Jahrhundert.

Warum wirft der Waggis Orangen, Mimosen und Süssigkeiten?

Der genaue Ursprung dieses Brauchs ist historisch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich entwickelte sich das heutige Auswerfen von Orangen, Mimosen und Süssigkeiten aus älteren bäuerlichen Markt- und Gabensymbolen der Figur. Bereits frühe Beschreibungen zeigen den Waggis zusammen mit Gemüse, Zwiebeln und Marktware.

Seit wann gibt es den Waggis?

Die Figur ist spätestens seit den 1870er Jahren gut greifbar. Laut J. P. Lienhard stammt die früheste bekannte Darstellung aus dem Jahr 1874.

Ist der Waggis typisch für Basel?

Ja. Der Waggis gilt heute als eine der bekanntesten und typischsten Figuren der Basler Fasnacht.


Waggis an der Basler Fasnacht 1958
Waggis an der Basler Fasnacht 1958. Aus unserer Sammlung.

Zeitlinie – die Entwicklung des Waggis im Überblick


15. Jahrhundert

Bäuerliche Masken gehören laut späteren Quellen bereits zur fasnächtlichen Szene.


Ende der 1830er Jahre

Laut späterer sprachwissenschaftlicher Literatur erscheint das Wort bereits am Ende der 1830er Jahre im Druck.


1874

Früheste bekannte Darstellung des Waggis laut J. P. Lienhard.


1877

Öffentliche Diskussionen über die Herkunft des Wortes „Waggis“.


1879

Gustav Adolf Seiler behandelt den Begriff in Die Basler Mundart.


1879

Der Waggis wird öffentlich als „Schund“ kritisiert.


1902

Eduard Hoffmann-Krayer beschreibt die Herkunft des Wortes weiterhin als ungeklärt.


1913

Paul Rudolf Koelner veröffentlicht Die Basler Fastnacht.


1939

Das E-n-ABC dur d’Basler Fasnacht verbindet „Waggis“ und „Wasgauer“.


1946

K. M. Sandreuter beschreibt den klassischen Waggis-Typus.


20. Jahrhundert

Die moderne Waggis-Larve entwickelt sich zu ihrer heutigen Standardform.


Heute

Der Waggis bleibt eine der bekanntesten Figuren der Basler Fasnacht.


Zwei klassische Waggis Larven für Tambouren/Vortrab.
Zwei klassische, moderne Waggis Larven für Tambouren/Vortrab. 2025

Quellenangaben


Literatur


Gustav Adolf Seiler: Die Basler Mundart. Basel, 1879.

Eduard Hoffmann-Krayer: Suffix -i in schweizerischen Mundarten. Zeitschrift für hochdeutsche Mundarten. 1902.

Paul Rudolf Koelner: Die Basler Fastnacht. In: Basler Jahrbuch, 1913.

Basler Fasnachts-Comité: E-n-ABC dur d’Basler Fasnacht. Basel, 1939.

K. M. Sandreuter: D’Basler Fasnacht. Herausgegeben unter dem Patronat des Basler Fasnachts-Comités. Basel, 1946.

Eugen A. Meier: Die Basler Fasnacht. Geschichte und Gegenwart einer lebendigen Tradition. Basel, 1985.

Rolf Back / André Groeneveld: Basler Fasnacht. Merian Verlag, Basel / Hamburg, 1987.

Beat Trachsler: Vom Narr zum Ueli – Tradition und Wandel von Basler Fasnachtsfiguren. Basel, 2004.


Onlinequellen und aktuelle Belege

Schweizerisches Idiotikon: Wortgeschichte „Waggis“.https://www.idiotikon.ch/wortgeschichten/waggis

Bastian Peter: Die Geschichte der Basler Künstlerlarve. Atelier Charivari.https://www.ateliercharivari.com/post/die-geschichte-der-basler-künstlerlarve

Radio Basilisk: Wieso heisst der Waggis eigentlich Waggis? 25. Februar 2026.https://www.basilisk.ch/g/diesdasananas/Wieso-heisst-der-Waggis-eigentlich-Waggis-0ySfFb5RMmrNlGMXHFkG3c

René Regenass: Basler Fasnacht. In: Nebelspalter, 1998.

Bajour: Lebensmittel an der Fasnacht – Tradition oder Foodwaste?https://bajour.ch/a/lebensmittel-an-der-fasnacht-tradition-oder-foodwaste


Weitere Beiträge über den Waggis als Figur oder die Waggis-Larve

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