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Die Basler Künstlerlarve: Als die Basler Larve die Thüringer Maske verdrängte

  • Autorenbild: Bastian Peter
    Bastian Peter
  • 23. Feb. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Mai

Dieser Beitrag dokumentiert einen Artikel über einen wichtigen Wandel in der Basler Fasnacht: den Übergang von importierten Thüringer Masken zur eigenständigen Basler Künstlerlarve.


Aus Sicht des Larven Atelier Charivari ist dieses Thema zentral, weil es zeigt, wie sich in Basel eine eigene Larvenmacherei, ein eigener Ausdruck und eine eigene Fasnachtstradition entwickelten. Die Basler Larve wurde nicht einfach übernommen, sondern in Basel künstlerisch, handwerklich und kulturell weiterentwickelt.


Der folgende Beitrag ordnet diesen Wandel ein und verweist auf einen dokumentierten Artikel zur Geschichte der Basler Künstlerlarve und der Thüringer Maske.


Kurz erklärt: Basler Künstlerlarve und Thüringer Maske


Die Thüringer Maske war eine importierte Maske, die früher auch an der Basler Fasnacht verwendet wurde. Mit der Entwicklung der Basler Künstlerlarve entstand in Basel jedoch ein eigener Ausdruck: lokal entworfene, handwerklich hergestellte und künstlerisch gestaltete Larven, die besser zu den Figuren, Sujets und Traditionen der Basler Fasnacht passten.


Die Basler Künstlerlarve steht deshalb nicht nur für eine andere Herstellungstechnik, sondern für einen kulturellen Wandel. Aus importierten Masken wurde eine eigenständige Basler Larventradition.


Warum dieser Wandel für die Basler Fasnacht wichtig ist


Der Wechsel von der Thüringer Maske zur Basler Künstlerlarve ist für die Basler Fasnacht wichtig, weil er zeigt, wie stark sich die Fasnacht in Basel aus lokalen Ausdrucksformen entwickelt hat. Die Larve wurde zum gestalteten Gesicht der Figur: passend zum Sujet, zur Clique, zur Rolle und zum Basler Verständnis von Maske und Verwandlung.


Für die Larvenmacherei bedeutete dieser Wandel mehr Eigenständigkeit. Künstler, Ateliers und Larvenmacher entwickelten Formen, Bemalungen und Ausdrucksweisen, die nicht mehr nur importierte Vorbilder nachahmten, sondern die Basler Fasnacht selbst prägten.


Dokumentation des Artikels


Der folgende Abschnitt dokumentiert den Artikel zur Basler Künstlerlarve und zur Thüringer Maske. Der Transkripttext bleibt als Quellen- und Dokumentationsblock bewusst unverändert.


Als die Basler Larve durchstartete


Roman Peter, Doyen unter den Larvenmachern, erzählt von den Anfängen der Basler Künstlerlarve


«Me zieht si ab und luegt si truurig a», dichtete Elisabeth Thommen im Jahre 1924, «do lyt si: fremd und kalt und bleed. Und doch – nie schynt aim d’Wält und ‘s Läbe däwäg eed, als wenn me d’Larve nimme vor em Gsicht ka ha.» Es ist nicht überliefert, auf welche Larven sich die kunstvollen Reime der Waldenburger Schriftstellerin und Feministin beziehen – ob auf jene, die aus dem Ausland importiert wurden oder auf solche, die damals seit Kurzem auch in Basel in grösserer Stückzahl hergestellt wurden.


Denn die Larve war – da können sich die Traditionalisten unter den Basler Fasnächtlern drehen und winden, wie sie wollen – lange eine Maske, schon allein aufgrund des Produktionsortes: Hergestellt wurde sie ab dem 18. Jahrhundert nämlich vor allem im deutschen Bundesland Thüringen.


«Die dortigen Unternehmen fabrizierten Papier- und Wachsmasken in grosser Zahl», sagt Roman Peter, der Doyen unter den Basler Larvenherstellern. Wer etwas über die Geschichte der Basler Larve in Erfahrung bringen will, ist beim 70-jährigen Künstler im Atelier Charivari in der Kannenfeldstrasse am richtigen Ort. Er besitzt eine grosse Sammlung an historischen Larven und Formen. «Vereinzelt wurden damals auch schon in Basel Larven hergestellt», ist sich Peter sicher, «aber das Gros der damaligen Larven stammte aus Deutschland.»

Dies änderte sich Anfang des 20. Jahrhunderts. Als Geburtsjahr der Basler Künstlerlarve wird oft 1921 genannt, als die Fasnachtsgesellschaft Olympia als Sujet die Moderne Kunst wählte.



Man sieht den Künstler Roman Peter im Larven Atelier Charivari. Er hält eine klassische Basler Waggis Larve in die Höhe. Die Basler Künstlerlarve und Ihr Ursprung ist das Thema bei diesem Artikel, für den dieses Bild dient.
Bild: Andreas W. Schmid


Basler Larven waren das Ende der Import-Larven


Willi Hildenbrand erinnerte sich als Zeitzeuge im Fasnachtsbuch des Basler Fasnachtscomités von 1955, dass man vier Wochen vor der Fasnacht «bei hiesigen Larvenhändlern und auswärtigen Larvenfabriken» nur Absagen erhielt, weil die Zeit bis zum Morgenstreich zu knapp bemessen sei.

«So probieren wir es halt selber», nahmen sich Hildenbrand und seine Cliquenkollegen vor, auch weil «das Wort «unmöglich» im Wörterlexikon eines guten Fasnächtlers nicht existiert». Die ersten Exemplare wurden aus Zeitungspapier, später aus Kaschierpapier und zuletzt zusätzlich mit Kulissenleinwand-Einlage gefertigt. «Schön waren unsere Larven nicht», gab Hildenbrand zu, «aber nachdem sie übermalt waren, haben sie voll und ganz den Zweck erfüllt.»


Der Inhaber der Basler Firma Métraux-Bucherer in der Freien Strasse erkannte sofort das Potenzial und begann in grösserem Stil Larven herzustellen. Weitere Produzenten taten es ihm in den folgenden Jahren gleich, der bekannteste unter ihnen war Adolf Tschudin in der Streitgasse. «Der Start der Basler Künstlerlarve», sagt Roman Peter, «war der Anfang vom Ende der Larven, die aus Deutschland importiert wurden.»


Im Jahr 1925 schrieb der Basler Kunstkredit in Basel einen Wettbewerb für Fasnachtslarven aus; die Firma Métraux-Bucherer spendete das Preisgeld von 600 Franken, erhielt dafür aber im Gegenzug das Recht, die prämierten Entwürfe zu übernehmen. Die Siegerlarve von Paul Wilde, ein «Änishänsli», hängt – wie könnte es anders sein – bei Roman Peter im Atelier. Die älteste Larve in seinem Besitz ist ein «Ueli», die «wohl über 130 Jahre alt sein dürfte». Erhalten habe er diese Fasnachtsschätze von der Familie Métraux selber. Diese habe jemanden gesucht, der mit diesen Larven etwas anzufangen wisse.


Credo: Nicht jeder Mode nachzurennen


Das ist bei Roman Peter zweifellos der Fall. Der Absolvent der Kunstgewerbeschule und Kunstmaler, der unter anderem in New York ausstellte, stieg 1976 als Autodidakt ins Larvenbusiness ein und machte schon bald gute Geschäfte. Zeitweise halfen bis zu 14 Angestellte mit. «Heute haben wir das Ganze ein wenig zurückgefahren», sagt er, «es war einfach zu gross geworden.» Corona verkomplizierte die Dinge zusätzlich, während der Pandemie wurden nur wenige neue Larven bestellt.


Trotzdem hielt der Künstler sein Credo aufrecht, «dass wir nicht jeden Auftrag annehmen und nicht jeder Mode nachrennen». Die Plastiklarven etwa, die zeitweise in Mode kamen, waren in seinem Atelier kein Thema, auch weil man bei ihnen deutlich eingeschränkter sei, was die Larvenform anbelangt. «Oder wenn jemand mit einer Idee vorstellig wird, die absolut nichts mit der Fasnacht zu tun hat oder die meinen ethischen Grundsätzen zuwiderläuft – dann sage ich ab.»


Wenn Sie weiterlesen möchten, finden Sie unten den Link zum original Artikel oder ein von AWS Medien zur Verfügung gestellte PDF-Datei.



Wir danken der BZ Basel und Herrn Schmid für den interessanten & gelungenen Artikel.


Einordnung aus dem Larven Atelier Charivari


Aus Sicht des Larven Atelier Charivari zeigt dieser Artikel einen entscheidenden Punkt: Die Basler Künstlerlarve ist nicht einfach eine Maske, sondern ein lokal entwickelter Ausdruck der Basler Fasnacht.


Der Wandel weg von importierten Thüringer Masken hin zu eigenen Basler Larven bedeutete auch einen Wandel im Selbstverständnis der Fasnacht. Die Larve wurde stärker mit Basler Figuren, Sujets, Cliquen und dem lokalen Handwerk verbunden. Sie wurde zum individuellen Gesicht einer Fasnachtsfigur.


Für ein Larvenatelier ist dieser Unterschied bis heute wichtig. Eine Basler Larve entsteht nicht nur aus Form und Material, sondern aus Ausdruck, Haltung, Tradition und handwerklicher Erfahrung.


Was der Wandel für heutige Basler Larven bedeutet


Heute ist die Basler Larve eng mit der Basler Fasnacht verbunden. Ob Waggis, Ueli, Alti Dante, Pierrot, Dummpeter oder individuelle Charakterlarve: Entscheidend ist nicht nur, dass eine Larve getragen wird, sondern dass sie die Figur vollständig prägt.


Die Entwicklung der Basler Künstlerlarve hat dazu beigetragen, dass Larven in Basel als eigenständige künstlerische und handwerkliche Arbeiten verstanden werden. Genau diese Verbindung von Handwerk, Ausdruck und Fasnachtstradition prägt die Arbeit im Larven Atelier Charivari bis heute.


Weiterführende Beiträge zur Basler Künstlerlarve


Wer tiefer in die Geschichte und Begriffe rund um Basler Larven einsteigen möchte, findet hier weiterführende Beiträge aus dem Larvenmacher Blog des Larven Atelier Charivari:


Häufige Fragen zur Basler Künstlerlarve und Thüringer Maske


Was war die Thüringer Maske?

Die Thüringer Maske war eine importierte Maske, die früher auch an der Basler Fasnacht verwendet wurde. Sie stand für eine Zeit, in der viele Masken nicht lokal in Basel entwickelt und hergestellt wurden.


Warum wurde die Thüringer Maske in Basel verdrängt?

Die Thüringer Maske wurde nach und nach verdrängt, weil sich in Basel ein eigener künstlerischer und handwerklicher Anspruch entwickelte. Die Basler Künstlerlarve passte besser zu den lokalen Figuren, Sujets und Ausdrucksformen der Basler Fasnacht.


Was ist eine Basler Künstlerlarve?

Eine Basler Künstlerlarve ist eine künstlerisch gestaltete Larve für die Basler Fasnacht. Sie prägt das Gesicht der Figur und verbindet Handwerk, Form, Bemalung und Ausdruck.


Warum ist der Wandel zur Basler Künstlerlarve wichtig?

Der Wandel zeigt, wie aus importierten Masken eine eigenständige Basler Larventradition wurde. Damit entstand ein lokaler Ausdruck, der bis heute eng mit der Basler Fasnacht verbunden ist.


Wo finde ich mehr zur Geschichte der Basler Künstlerlarve?

Mehr zur Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Basler Künstlerlarve erklären wir im ausführlichen Beitrag „Die Geschichte der Basler Künstlerlarve“ im Larvenmacher Blog des Larven Atelier Charivari.


Quellenangaben


BZ Basel, Autor & Foto: Andreas W. Schmid 23.02.2023









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